Küchenplanung: Guter Rat vom Küchenexperten

Artikel vom 05. Juli 2010
AMK Designküche | Foto: AMKAMK Designküche | Foto: AMK

Eine zeitgemäße Küche muss viele Anforderungen nach Vielseitigkeit, Flexibilität und Mobilität be­rücksichtigen, für einen Laien ist es da schwer,

den eigenen Bedarf einzuschätzen.

Markus Gräter, Geschäftsführer HEM Küchen | Foto: HEM KüchenMarkus Gräter ist Geschäfts­führer von HEM Küchen

In seinen Küchenstudios in Schwäbisch Hall, Crailsheim-Satteldorf, Backnang und Buchen legt er sehr großen Wert auf die persönliche und individuelle Beratung rund um den Küchenkauf
und erfüllt so als umsatz­stärkstes Mitglied in Baden Württemberg im Verband der Musterhaus Küchen Deutschland (MHK) die Verbands­philo­sophie „Küchen ganz persönlich" mit Leben.

In diesem Interview gibt er für Exxpose-Leser wichtige Hinweise, auf welche Punkte man bei einer fachgerechten Küchenplanung achten sollte.


EXXPOSE: Herr Gräter, wie beginnt bei Ihnen der Einstieg in die Küchenplanung?
Markus Gräter: Die Küche ist primär ein Arbeitsbereich, der sowohl funktionsgerecht ge­plant, als auch eingerichtet werden muss. Bei kaum einem anderen Raum werden so viele Einrichtungsfehler begangen. Sie fallen meistens erst auf, wenn es zu spät ist. Bei der Planung und Einrichtung einer Küche müssen nicht nur die Gegebenheiten und Be­dürfnisse der Benutzter berücksichtigt werden, sondern auch de­ren individuelle Einstellung zu bestimmten Kü­chen­­arbeiten.  
Ebenso sind spezielle Wünsche bezüglich Form, Stil, Farbe, Oberflächenstruktur und Ausstattung der Küchenmöbel in die Planung mit einzubeziehen. Wir geben un­se­ren Kunden im Vorfeld eine Checkliste, in der auf bestimmte Fragen, wie etwa Zahl der Per­sonen, Raumangebot und Sonderwünsche eingegangen wird. Wichtig für das erste Gespräch sind die Maße (Raum, Türen, Fenster), die Lage der Heizkörper, Höhe der Fensterbrüstung, Position und Durchmesser des Abluftschachts, Wasser- und Elektroanschlüsse (Steckdosen, Starkstrom-anschluss, usw.), Anschläge der Türen und der Fenster, oder ob ein Fliesenspiegel vorhanden ist? Natürlich wird die Küche bei Auftragserteilung von einem Fachmann ausgemessen, je­doch sollten wir schon vorab eine realistische Planung samt Angebot erstellen können.

EXXPOSE: Wie groß ist die „ideale“ Küche?
Markus Gräter: Die ideale Größe einer Küche, in der nur gekocht und der Abwasch erledigt wird – liegt zwischen acht und zehn Quadratmetern Fläche. Dabei haben sich die zweizeilige und die U-förmige Küchenform gegenüber der einseitigen oder L-förmigen An­ordnung als zweckmäßiger erwiesen. Denn die Hausfrau oder der Hausmann stehen hier im Mittelpunkt und haben nach allen Seiten die kürzesten Wege.

EXXPOSE: Die Gestaltung einer Küche sollte nicht nur die verschiedenen Arbeitsabläufe be­rück­­sich­tigen, sondern auch der Architektur des Raumes angemessen sein. Wie hilft hier der Küchenberater?
Markus Gräter: Architektonische Besonderheiten bieten einen guten Gestaltungsansatz und es besteht kein Grund diese einer Einrichtung unterzuordnen, auch wenn es sich bei einer Küche um einen Raum handelt, der funktionell sein muss. Die moderne Küche hat die gleichen Aufgaben zu erfüllen, wie vor hundert Jahren, sie ist für die Familie der Mittelpunkt des Hauses und sollte nicht nur zweckmäßig, sondern auch einladend einge­richtet werden.

EXXPOSE: Ergonomie - Wie wichtig ist die Anpassung der Arbeitshöhe? Gibt es hier eine Faustregel zur Ermittlung der Arbeitshöhe?
Markus Gräter: Bei der Küchen­planung muss die Ergonomie mit
einbezogen werden. Dabei spielt die Höhe der Arbeitsplatte eine wesentliche Rolle. Die Arbeitshöhe sollte unbedingt der individuellen Körpergröße der „Hauptarbeits­person“ angepasst werden. Viele Hersteller haben sich mit der Thematik befasst und bieten höhenverstellbare Koch- und Arbeitsplätze, die sich auf die individuelle rückenschonende Arbeitshöhe ab­senken oder anheben lassen.

EXXPOSE: Küchenzeile, Kochinsel, L-Form, U-Form oder Halb­insel,  An- oder Einbauküche – welche Küchenform ist die Richtige?
Markus Gräter: Die kombinierte Anbauküche orientiert sich an der „alten Küchenform“ und weckt Erinnerungen an Geborgenheit und Gemütlichkeit. Es überrascht keineswegs, dass der Trend heute wieder in Richtung traditioneller Küchenausstattung geht. Das heißt, eine Loslösung von der auf die Funktion re­duzierten, klar strukturierten Einbau- und rein de­finierten Arbeitsküche ohne dekorative Gestaltung. Bei der kom­binierten Küchenform werden die einzelnen Einrichtungs­gegenstände wie Standgeräte, An­richten, Schränke, Tische und andere freistehende Möbel an strategischen Punkten im Raum platziert und den Gegebenheiten des Raums angepasst.    
Kombinierte Küchen sind bestens platziert in alten Räumen mit den entsprechend architektonischen Besonderheiten.

EXXPOSE: Großzügige Lösungen  - wie viel Bewegungsfreiheit be­nötige ich in der Küche?
Markus Gräter: Küchenmöbel sind 60 Zentimeter tief. Vor der Schrankzeile sollte ein Bewegungsraum von 80 Zentimeter vorgesehen sein, zusammen er­gibt das eine Raumbreite von wenigstens 140 Zentimeter.    
Rechnet man hierzu den Platzbedarf für eine frei stehende „Insel“ von 80 Zentimeter Breite und 100 Zentimeter Länge, die rundherum umgangen werden kann, so ist eine Raumbreite von we­nig­stens 300 Zentimeter erforderlich.

EXXPOSE: Frei stehende Arbeitszentren benötigen viel Platz, lässt sich dies auch in einer kleineren Küche verwirklichen?
Markus Gräter: Wie viel Platz ein in die ohnehin meist freie Raummitte verlegtes Koch-, Spül- oder Vorbereitungszentrum definitiv benötigt, hängt vor allem von
den Raumproportionen und der Küchenplanung ab. Ein kreativer Küchenplaner kann in den meisten Küchen durch eine geschickte Platzierung der Möbel Platz für ein frei stehendes Arbeitszentrum schaffen. Steht die „Insel“ frei, muss rundherum natürlich Bewegungsraum eingerechnet werden, handelt es sich um eine „Halb­insel“, das heißt, ist eine Seite an die Schrankzeile oder die Wand angebunden, ist der Platzbedarf entsprechend reduziert.

EXXPOSE: Wie kindersicher sind Küchen heute?
Markus Gräter: Durch den Einbau von Kindersicherungen können viele Gefahrenbereiche entschärft werden. Wichtig ist am Kochfeld eine herunterklappbare Reling oder ein Schutzgitter anzubringen. Reinigungs- und Pflege­mittel, Haushaltschemikalien usw. gehören in einen abschließbaren Putzmittelkorb. Auszüge mit kritischem Inhalt sollten gegen unbefugtes Herausziehen gesichert sein.

EXXPOSE: Für nahezu alle Tätigkeiten in der Küche benötigt man gute Sicht und gutes Licht. Wie wichtig ist es für die richtige Ausleuchtung zu sorgen?
Markus Gräter: Der Bedarf lässt sich leicht berechnen:    
Bei Glühlampen sind rund 25 Watt, bei Leuchtstofflampen 10 Watt Leistung pro Quadratmeter Küchenfläche erforderlich. Diese Grundbeleuchtung reicht als  Ar­beitslicht jedoch nicht aus, sie muss durch eine gezielte Ausleuchtung der einzelnen Arbeitszentren ergänzt werden.    
So können Leuchtstoffröhren oder röh­ren­förmige Glühlampen direkt unter den Oberschränken hinter einer Blende installiert werden. Einzeln angebrachte Spots bzw. Lichtschienensysteme lassen sich einfach am Arbeitsplatz einklinken.

EXXPOSE: Gibt es weitere wichtige Punkte, die in der Planung be­achtet werden sollten?
Markus Gräter: Der Arbeitsplatz sollte möglichst im Fenster­be­reich liegen und so angeordnet sein, dass beim Öffnen des Fensters nicht die Arbeitsfläche freigeräumt werden muss.    
Eine korrekte Anord­nung der Kü­chen­geräte ist die wesentliche Voraus­­setzung für einen mühelosen Arbeitsablauf. In einer gut geplanten Einbau­küche befinden sich die Großgeräte wie Gefrier­schrank, Kühlschrank, Back­­ofen und Geschirr­spüler in be­quemer Griffhöhe im Hochschrank.

EXXPOSE: Herr Gräter, wie zufrieden sind Kunden nach Ihrer
Einschätzung mit der eigenen, individuell geplanten Küche und welche Anforderungen sollte man hier an den Küchenberater im Fachhandel stellen?
Markus Gräter: Den Ausschlag zum Kauf gibt letztlich die fachlich kompetente Be­ratung, wir haben bisher über 10.000 Küchen verkauft. Zur Kompetenz gehört auch eine Betreuung nach der Montage. Bei Reparaturen und  Nachkauf einzelner Elemente oder Geräte sind wir auch nach Jahren noch Ansprechpartner und unterhalten für jeden Kunden ein Archiv mit allen erforderlichen Daten zur Küche.

EXXPOSE: Herr Gräter, vielen Dank für das Interview und die ausführlichen Antworten.    


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