Bausatzhäuser: Mit Eigenleistung kräftig sparen

Artikel vom 21. Juni 2010
Mit Eigenleistung leichter in die eigenen vier Wände. Wichtig ist es, den Zeitaufwand und die eigenen Fähigkeiten richtig einzuschätzen. | Foto: www.bauen.deMit Eigenleistung leichter in die eigenen vier Wände. Wichtig ist es, den Zeitaufwand und die eigenen Fähigkeiten richtig einzuschätzen. | Foto: www.bauen.de

Viele Bauherren legen beim Hausbau selbst Hand an, um Geld zu sparen. Doch Eigenleistung muss sorgfältig geplant und vertraglich festgelegt werden, um Schaden durch finanzielle und persön­liche Fehleinschätzungen zu vermeiden.

Beim Hausbau greifen viele Bauherren selbst zu Pinsel, Hammer oder Kelle. Der persönliche Einsatz kann sich für handwerklich Geschickte durchaus auszahlen. Viele Banken erkennen die Muskelhypothek als Eigenkapital an. Neben geringeren Finanzierungs­kosten, können so unter Um­stän­den auch günstigere Zins­kondi­tionen ausgehandelt werden.
Doch die Vorstellung vieler Bauherren zu Kostenersparnis, der eigenen Geschicklichkeit und dem Arbeitsumfang ist oft überzogen. Damit sich falsche Planung nicht erst auf der Baustelle offenbart und teures Nachfinanzieren er­zwingt, sollten die geplanten Leistungen und Materialkosten genau aufgelistet werden.

Eigenleistung bei Bausatzhäusern | Foto: LBSMit Eigenleistung leichter
in die eigenen vier Wände. Wichtig ist es, den Zeitaufwand und die eigenen Fähigkeiten richtig einzuschätzen. Beim Hausbau selbst mit anzupacken, ist für viele Bauherren selbst-verständlich. Für Eigenleistung sind jedoch ein wenig Geschick und eine gute Selbsteinschätzung nötig.    


Realistisch planen

Wer selbst Hand anlegt, sollte zunächst die eigene Leistungsfähigkeit überdenken. Maximal zwei Drittel der Arbeit eines routinierten Handwerkers schafft ein Laie in der gleichen Zeit. Bei einem Reihenhaus mit 140 Quadratmetern Wohnfläche und reinen Baukosten von 275.000 Euro kann man rund 25.000 Euro ein­sparen. Geht man von einem Jahr Bauzeit aus, werden dafür um die 850 Stunden Schufterei auf der heimischen Baustelle nötig.

Geeignete Arbeiten für Bauherren und Helfer

Tapezieren, Streichen, Fußboden verlegen: Besonders Ausbaugewerke, die keine besonderen Vorkenntnisse voraussetzen, bieten sich zum Selbermachen an. Dem Profi überlassen sollte man dagegen Sanitär-, Elektro- oder Heizungsinstallationen, da hierfür Fachwissen über Bauvorschriften und Regelwerke unabdingbar ist. Wem dabei helfende Hände zur Seite stehen, der darf die notwendigen Zusatzversicherungen nicht vergessen. Unerlässlich ist die Unfallversicherung für sich und die Familie sowie eine Lebensversicherung für den Fall der Fälle. Helfer muss der Bauherr der Berufsgenossenschaft melden.

Vertraglich vereinbaren

Klare Absprachen mit der Bau­firma und dem Architekten schaffen Sicherheit. Um Verzögerungen zu vermeiden, müssen manche Eigenleistungen exakt in den Bauablauf integriert werden – insbesondere in der frühen Bauphase. Zusätzlich gilt: Nur solche Arbeiten in Eigenregie übernehmen, die sich auch im Bauvertrag von den Leistungen des Bauträgers bzw. -unternehmens abgrenzen lassen. Auch Preisnachlässe sollten klar geregelt sein, denn Baufirmen be­werten den Beitrag von Bauherren oft sehr unterschiedlich. Am besten ist es, sämtliche Ver­einbarungen zu Eigenleistungen konkret im Vertrag festzuhalten. Denn im Gegensatz zu fachmännischen Leistungen, entfällt für Eigenleistung der Anspruch auf Gewährleistung und Mängel­beseitigung.

Mit Sachverständigen Risiken vermeiden

Wer mit Bauträger oder Generalunternehmer baut, muss zudem die Haftungsfrage klären, falls durch entstandene Schäden die Bauarbeiten nicht fortgesetzt werden können. Für den reibungslosen Ablauf von Fremd- und Eigenleistung, können in beiderseitigem Interesse Teilabnahmen nach Ende einzelner Arbeiten vereinbart werden. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte vor Abschluss von Verträgen einen Bausach­ver­stän­digen zu Rate ziehen.
Er berät Bau­herren bei einer realistischen Kosten- und Selbsteinschätzung bei Eigenleistung.


Das können Hausbesitzer selbst machen:
Handwerklich geschickte Häuslebauer können einen Teil der Bau­kosten mit der „Muskelhypothek“ selbst stemmen. Wer mit anpackt, kann bis zu 10 Prozent und mehr sparen – im Schnitt 28.000 Euro. Banken erkennen die Muskelhypothek in der Regel als Eigenkapital­ersatz an – dies führt zu besseren Kreditkonditionen.
Fassadensanierung | Foto: Verband Deutsche ParkettindustrieFassadensanierung:
Leichtere Arbeiten wie Risse füllen oder Fugen ausbessern können Eigenheim­besitzer leicht selbst erledigen.

Wichtig:
Vorab sollte eine Begutachtung und Beratung durch den Fachmann erfolgen. Vorsicht bei Gerüstarbeiten!
Dacharbeiten:
Alle Reparaturen am
Dach sollten nur von Dachdeckern oder Zimmer­leuten durch­geführt werden. Um hier die Kosten zu reduzieren, können Zu­arbeiten erbracht werden. So lassen sich Erneuerungen der Dachdämmungen  meist in Eigenregie bewerkstelligen.
Dacharbeiten | Foto: Verband Deutsche Parkettindustrie
Wärmedämmung | Foto: Verband Deutsche ParkettindustrieWärmedämmung:
Auch die Innendämmung kann man leicht selbst übernehmen. Dämm-
platten oder Isolierrollen sind einfach zu verarbeiten und in jedem Baumarkt erhältlich. Auf problematische Stellen wie Fenster- und Türöffnungen ist zu achten. Wer Dämmarbeiten in den Innenräumen selbst durchführt, spart zwischen 15 und 25 Euro/qm.

 

» Bewertung der Muskelhypothek «

Zur Ermittlung des Geldwertes der Eigenleistung sieht der Gesetzgeber folgende Regelung vor:    
„Der Wert der Selbsthilfe ist mit dem Betrag als Eigenleistung anzuerkennen, der gegenüber den üblichen Kosten der Unternehmerleistung erspart wird“ (§ 36 Absatz 3 II WoBauGe).    
Das heißt, dass für jede Tätigkeit, die der Bauherr selbst an seinem Haus verrichtet, der Arbeitslohn angerechnet werden kann, den ein Bauunternehmer veranschlagen würde. Wer als Laie mit seiner Bank über die Bewertung der Eigen­leistung im Rahmen der geplanten Finanzierung verhandelt, muss darauf achten, dass auch tatsächlich der Facharbeiterlohn zugrunde gelegt wird und nicht der Lohn eines Hilfsarbeiters. Unrelevant ist dabei, dass der Selberbauer unter Umständen länger für die Arbeit braucht - es zählt nur der tatsächlich eingesparte Lohn. 

 

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