Wärmebrückenfreie Konstruktion:
Schön schräg und so passiv...

Wärmebrückenfreies Passivhaus im modernen Look: Der Entwurf von Holger Wagner ist außergewöhnlich, was Architektur und Haustechnik angeht.
Öko-Look war gestern, chic ist heute
Als Holger Wagner und seine Ehefrau Ende 2004 in ihr neues Haus in Troisdorf bei Bonn einzogen, blieb es in der Nachbarschaft nicht gerade ruhig. Das lag allerdings nicht an den Wagners, sondern eher an ihrem ungewöhnlich gestalteten neuen Heim. Die Architektur ist aber auch alles andere als herkömmlich: Das Dach ist gebogen, an der weißen Fassaden setzt knalliges Rot Akzente.
Dies ist aber nun nicht nur dem Geschmack des Bauherrn geschuldet, der das Haus selber entworfen hat. Es gibt einen tiefer liegenden Grund, der sich nur dem aufmerksamen Beobachter erschließt. Und dieser wiederum hat mit dem Beruf des Bautechnikers Wagner zu tun: Er plant u.a. Passivhäuser – Gebäude also, die ohne herkömmliche Heizung und Warmwassererzeugung
auskommen. Sein eigenes ist selbstverständlich auch eines. Zurück zum Beobachter: Das einzige sichtbare Zeichen des Passivhausstandards ist der
Solarkollektor auf dem Dach. Dieser sorgt für Warmwasser und unterstützt das Heizsystem. Doch auch die unge-
wöhnliche Anordnung der Fenster hat damit zu tun. Die großen befinden sich an der Süd- und der Westfassade, um möglichst viel direkte Sonnenein-
strahlung aufzunehmen. Richtung Norden und Osten dagegen sind sie sehr klein. Hier findet sich auch der Grund für die ungewöhnliche Farbgebung, wie der Bauherr erklärt: „Wären die Fassaden in reinem Weiß gehalten, hätte das wegen der kleinen Fenster trist ausgesehen. Also musste eine Farbgestaltung gewählt werden, die das Haus auch von Norden und Osten interessant und lebendig aussehen ließ.“ Das auffällige, mit Zink gedeckte Runddach ist dagegen nicht direkt auf den gewünschten Passivhausstandard zurückzuführen. Eigentlich sah der Bebauungsplan sogar ein Satteldach vor, doch Wagner gelang es in Verhandlungen mit den Behörden, seine Vorstellung durchzusetzen; schließlich sollte der Entwurf auch als eigenes Referenzobjekt dienen.
Perfekte Symbiose von Konstruktion und Technik
Das Ergebnis ist ein Haus mit drei Geschossen, da auch der Keller für Büroräume genutzt wird. So ergibt sich eine Wohn- und Nutzfläche von 240 m2. Dennoch betragen die jährlichen Energiekosten für Heizung, Warmwasser und Lüftung nur 400 Euro. Der Heizwärmebedarf beträgt gerade einmal 15 kWh/(m2a), der Primärenergiebedarf 68 kWh/ (m2a). Dies liegt zum einen an der wärmebrückenfreien Konstruktion und einem hervorragend gedämmten Massivdach aus Porenbeton, zum anderen an der modernen Haustechnik. Herzstück ist dabei eine integrierte Luft-Wärmepumpe mit kontrollierter Be- und Entlüftung samt Wärmerückgewinnung. Das System, eine THZ 303 SOL von Tecalor aus Holzminden, versorgt alle Räume gleichmäßig mit Frischluft und vermeidet durch einen Kreuzgegenstrom-Wärmetauscher unnötige Temperaturverluste. Rundkanäle aus Blech-Wickelfalz sind unsichtbar in den Ständerwerk-Innenwänden versteckt, die Ansaug- bzw. Ausblasöffnungen für Zu- und Abluft befinden sich an der Vorder- und Rückseite der Garage. So ist trotz der hohen Dämmdichte dafür gesorgt, dass Feuchtigkeit und verbrauchte Luft abgeführt werden und immer ein angenehmes Wohnklima herrscht. An den kälteren Tagen des Jahres gewinnt die Wärmepumpe mit einer Leistung von 4,2 Kilowattstunden genug Energie aus der Außenluft, um gemeinsam mit der Solaranlage für ausreichend Heizung und Warmwasser zu sorgen.
Diese Vorteile zahlen sich in barem Geld aus:
Bei einem konventionellen System, so hat der Techniker ausgerechnet, würden jährliche Kosten von ca. 1.000 statt der 400 Euro anfallen. Und schon während der Bauphase wurde das Vorhaben von der Kreditanstalt für Wiederaufbau als
Passivhaus mit äußerst zinsgünstigen Krediten unterstützt. So bewies Holger Wagner, dass ökologisches und ökonomisches Bauen und Wohnen durchaus in modernem, extravagantem Look möglich sind.
Grundrisse
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