Zum Haus gehört ein Keller

Artikel vom 14. Oktober 2008
Wärmedämmung des Kellers | Foto: Knecht KellerWärmedämmung des Kellers | Foto: Knecht Keller

Ein Untergeschoss bietet zu geringen Mehrkosten wertvolle Zusatzflächen, die die Lebensqualität erheblich steigern.

Kein Wunder, dass nur 25 % aller Ein- und Zweifamilienhäuser ohne Keller gebaut werden und dreiviertel der Bauherren später bedauern, auf den Keller verzichtet zu haben. Die Entscheidung gegen ein Untergeschoss sollte deshalb sorgfältig durchdacht werden. Korrigieren lässt sich diese Fehlentscheidung nicht.

Was bietet ein Keller?

Sicherlich benötigt heute niemand mehr einen Kohlenkeller. Freiräume für eine eigene Sauna, Fitnessge­räte, Wellness mit großem Wirlpool, Solarium und Leseecke dagegen wünschen sich viele Hausbesitzer. Ein Keller erfüllt diese Wünsche besonders preisgünstig.

Platz fürs Heimbüro

Immer mehr Berufstätige wollen oder müssen regelmäßig zu Hause arbeiten. Im Wohnzimmer ist bei laufendem Fernseher oder spielenden Kindern – konzentriertes  Arbeiten nur schwer möglich. Ein eigenes Arbeitszimmer im Keller ist die ideale Lösung.

Gästezimmer     

Ein Gästezimmer erleichtert die Unterbringung von Freunden, ohne dass Kinder ihr Reich räumen müssen. Hierhin können sich Familienmitglieder, wenn sie einmal Ruhe brauchen zum Lesen, Fernsehen usw. zurückziehen.

Spielraum für Kinder

Für großzügige Kinderzimmer fehlt in den Obergeschossen häufig der Platz. Ein Spielraum im Untergeschoss ist eine familienfreundliche Lösung. In ihm können Kinder bei schlechtem Wetter laut toben oder Geburtstage feiern, ohne Eltern und Nachbarn übermäßig zu nerven!     

Hausarbeit und Hobby

Waschen und bügeln kann auch im Wohnzimmer oder in der Küche stattfinden. Bewohner von Etagenwohnungen haben auch selten eine andere Wahl. Hausarbeit und  Hobbies machen erst richtig Freude, wenn Autorenn- und Modelleisenbahnen stehen oder im Hauswirtschaftsraum angefangene Arbeiten liegen bleiben dürfen, laute Musik keinen stört, eine Werkstatt oder Platz für Töpfern und Modellbau zur Verfügung steht.

Haus­technikraum

Energiesparendes Bauen verlangt eine aufwändige Haustechnik. Im Untergeschoss sind Hausanschlüsse, Lüftungsanlagen mit Wärmetauscher, Wärmepumpen, Regenwasser- speicher, zentrale Staub- saugeranlagen usw. preiswert und akustisch vom Wohnbereich ge­trennt untergebracht. Eine Therme kann notfalls unterm Dach liegen, ein Warmwasserspeicher kaum, ein Öltank schon gar nicht.   

Zusätzlicher Lagerraum

Schließlich sollte kein Hauskäufer oder Bauherr unterschätzen, wie sehr ausreichender Lagerraum das Leben erleichtert. Im Keller lassen sich Sportgeräte für Sommer und Winter oder Getränke, eben alle Dinge, von denen man sich nicht trennen mag, frostsicher und witte­rungsgeschützt lagern. Wirtschaftliches Denken verbietet regelrecht, dafür die teure Fläche in den Wohngeschossen zu nutzen.   

Sorgfältige Planung

Prüfen Sie sorgfältig Ihren zusätzliche Raumbedarf, bevor Sie sich gegen den Keller entscheiden. Und planen Sie diese Räume ebenso sorgfältig wie die übrigen Geschosse. Elektroinstallation, Radio, TV, Internet, Sanitäreinrichtungen und Be­heizung sollten vorgesehen oder wenigstens vorbereitet werden.  

Grafik Initiative Pro Keller

Das Institut für Bau­forschung berechnete die Kosten für den 97,8 m2 großen Keller eines freistehenden Einfami­lienhauses. Da der Keller hochwertig genutzt werden sollte, rechneten die Wissenschaftler einen Rundum-Wärmeschutz ein. Der vorliegende Vergleich zeigt die teuerste Variante: Keller im Grundwasser und die günstigste Variante: Hochkeller ohne Grundwasser. Alternativ wurde berechnet, was eine Grundplatte mit den dann erforderlichen Zusatzflächen kosten würde. Zwischen den berechneten, extremen Varianten liegen viele Abstufungen. Konkrete Planungen des jeweiligen Einzelfalles werden deshalb immer zu etwas anderen Ergebnissen führen.

Realistisch rechnen

Ein einfach ausgeführtes Untergeschoss für ein Einfamilienhaus kostet etwa 35.000 EUR. Das sind aber nicht die echten Mehrkosten zu einer Bodenplatte. Bei deren Berechnung sind die bei nicht unterkellerten Gebäuden entstehen Zu­satz­kosten abzuziehen, für:
- Kellerersatzraum
- frostsichere Flächen in den Wohngeschossen für Hausanschlüsse,
   Wasch- und Trockeneinrichtungen, Heizung, Getränkelagerung usw.
- aufwändige, frostsicher gegründete Fundamente. Je nach Region
   zwischen 80 cm und 120 cm. Boden- und Geländeverhältnisse können
   noch tiefere Gründung erfordern
- wärmegedämmte Bodenplatte     
- zusätzliche Dämmmaßnahmen an Anschlussleitungen 
  im frostgefährdeten Bereich
Außerdem verbrauchen Keller­ersatzräume Grundstücksfläche. Sie schränken auf kleinen Grundstücken Grünfläche ein und pflastern Boden zu.

Variante 1: Hochkeller außerhalb des Grundwassers

Bei niedrigem Grundwasserstand genügt eine Abdichtung gegen Bodenfeuchte. Bei weniger durchlässigen Böden, z.B. Lehm, muss das Regenwasser über eine Dränage versickern. Lassen es die Bauvorschriften zu, sollte der Keller etwas aus dem Boden herausragen. Das verbessert deutlich die Kellerbelichtung.

Variante 2: Keller im Grundwassers

In vielen Baugebieten steht das Grundwasser so hoch, das mit drückendem ­Wasser zu rechnen ist. Eine bewährte Lösung sind Keller aus Wasser undurch­lässigem Beton (WU-Beton). Damit das Wasser bei extremen Hochwasser nicht durch die Kellerfenster fließt, wurden wasserdichte Lichtschächte oder wasserdichte Kellerfenster vorgesehen.

Variante 3: Grundplatte statt Keller

Hat das Haus keinen Keller, braucht es Kellerersatzräume außerhalb des Hauses und frostsichere Zusatzflächen innerhalb des Hauses. Für die erforderlichen
frostsicheren Flächen für Hausanschluss, Heizung, Waschmaschine, Trockner, usw. setzten die Wissenschaftler von 5 m2 an. Als außen liegender Kellerersatzraum sollte eine Fertiggarage oder ein Holzschuppen dienen. Die dafür benötigte Grundstücksfläche wurde in den Kosten nicht berücksichtigt.

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