Unkonventionelle Bauidee:
Alternative zum Doppelhaus

Artikel vom 01. Dezember 2007
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Baugrundstücke in der Stadt mit guter Infrastruktur sind rar und die Nachfrage ist in den letzten Jahren weiter gestiegen. Eine Möglichkeit ist der Bau eines Doppelhauses.

Zwei Parteien teilen sich das Baugrundstück – und auch die Kosten. Doch es gibt noch eine weitere Alternative, die vorbildlich in der Flächennutzung ist und die dazu beiträgt, das Haus zu finanzieren. Die Antwort ist ein Mehrfamilienhaus, in dem eine Wohnung selbst bezogen werden kann und weitere Wohnungen vermietet werden. Die Mieteinnahmen werden zur Tilgung des Hauses eingesetzt. Haus und Mieten sind zudem wesentliche Beiträge zur Altersvorsorge. Energiesparend gebaut, möglichst mit hoher Wärmedämmung und modernen Umwelttechnologien, hält ein solches Gebäude auch die Nebenkosten in engen Grenzen, was die Attraktivität der Wohnungen erhöht und die Vermietung garantiert. Voraussetzung ist natürlich die Genehmigung für die Abweichung vom Bebauungsplan, und da gilt es, das Bauamt mit guten Ideen zu überzeugen.

Vierfamilienhaus auf Doppelhaus-Grundstück

Mit Hilfe eines versierten Architekten gelang es einem erfolgreichen jungen Bauherrn, für seine Altersvorsorge auf einem Doppelhaus-Grundstück ein Vierfamilienhaus in einem gefragten Baugebiet zu realisieren. Es verbindet stadtnahe Lage mit sehr guter Anbindung an ­Schulen und Kindergärten, Arbeitsplätze, Einkaufsmöglichkeiten und öffentlichem Nahverkehr. Die Wohnungen sollten nicht nur wirtschaftlich gebaut werden, sondern auch das Prinzip der Nachhaltigkeit erfüllen, d.h. einen niedrigen Primärenergieverbrauch und damit niedrige Betriebskosten aufweisen. Alle Vorgaben konnten erfüllt werden, auch letztere: Um 30 Prozent unter dem normalen Niedrigenergiehaus-Standard, erzielt  das Gebäude KfW-60-Standard. Nach nur achtmonatiger Bauzeit waren drei der Wohnungen sofort vermietet, die vierte bezog der Bauherr selbst. Die kalkulierte Miete wurde sogar noch übertroffen.    

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Intelligente Grund­riss­planung

Davor hieß es, einige nicht unerhebliche Hürden zu überwinden. Die größte war: Für ein Vierfamilienhaus waren auch vier Stellplätze vorgeschrieben. Das kleine Baufenster bot dafür jedoch keinen Platz. Der mit der Planung beauftragte Architekt Jörg Schreckenberg verließ bei seinem Entwurf daher herkömmliche Wege und überzeugte mit seiner Lösung auch die Stadt. Er plante das Gebäude mit je einem Carport rechts und links des Hauses und  integrierte zwei weitere offene Stellplätze im Erdgeschoss. Diese unkonventionelle Planung machte eine Rampe überflüssig und sorgt dafür, dass der Kellerraum von den vier Parteien zu 100 Prozent genutzt werden kann. Außerdem entstanden interessant gegliederte Wohneinheiten, die von üblichen Standard-Raumaufteilungen weit entfernt sind. Zwei der Wohnungen erhielten schöne ­Gartenterrassen, die durch die verlängerten Carport-Dächer teilweise geschützt sind, die beiden anderen Wohnungen haben Loggien.    

Energiesparend gebaut    

Das als klassischer Kubus entworfene Gebäude wirkt optisch leicht wie auf einem hohen tragenden Sockel. Mit Porenbeton-Plansteinen und 12 cm Wärmedämmverbund-System gebaut,  gelang es, die erhöhten Anforderungen an den Wärmeschutz des Hauses zu erfüllen, ohne teure Dreifach-Verglasung einbauen zu müssen. Ein weiterer Vorteil dieser Außenwandkonstruktion ist, dass sie trotzdem nur 30 cm dick ist. Diese geringe Außenwanddicke war ein wichtiger Baustein zur hohen wirtschaftlichen Ausnutzung des Grundstücks. Das Gebäude konnte zudem kostengünstig gebaut werden. Auch die Innenwände wurden weitgehend mit  Porenbeton erstellt, nur für die tragenden Innenwände und die Wohnungstrennwände kam Kalksandstein zum Einsatz. Die Wohnungstrennwände wurden z.T. als Doppelschallschutzwand errichtet. Die Geschossdecken und das Flachdach erhielten Filigranbetondecken. Das Dach ist für eine extensive Begrünung vorbereitet. Das Kellergeschoss ist als weiße Wanne mit Perimeterdämmung ausgeführt. Die Kellergeschoss-Decke unterhalb der Fahrzeuge wurde zusätzlich von unten gedämmt um keine Wärmebrücken entstehen zu lassen.    
Die Elektroleitungen konnten leicht in die Wände geschlitzt werden. Nicht zuletzt machte der Baustoff Porenbeton in Kombination mit dem WDVS-System die  kostengünstige Bauausführung des Gebäudes möglich.

Porenbeton Küche Mehrfamilienhaus Wohnung Stadt BalkonNutzung von Erdwärme

Eine Sole-Wasser-Wärmepumpe sorgt für die klimaschonende Nutzung der Erdwärme. Sie erzeugt mit günstigem Strom (Sondertarif) die Wärme für die komplette Fußbodenheizung im Haus und für das Brauchwasser. An sehr heißen Tagen kann durch Einschalten eines entsprechenden Zusatzgerätes auch die dann relativ kühlere Erde zum Kühlen des Gesamtgebäudes genutzt werden. Die großen Fenster zum Süd-Westen hin hatten den Bauherrn bewogen, vorsichtshalber dieses zusätzliche Kühlgerät einbauen zu lassen, um in heißen Sommern die Raumtemperatur herunterkühlen zu können. Der erste Sommer hat jedoch gezeigt, dass das Gerät nur selten angesprungen ist, weil das Haus so gut gedämmt ist. Das Gebäude ist für den Einbau einer Solaranlage vorbereitet und der Brauchwasser-Speicher entsprechend ausgelegt.

Raum für Individualität

Eine offene Treppenhausanlage führt ins erste Obergeschoss. Von hier ausgehend sind zwei 65 m2 große Maisonettewohnungen für Singles oder Paare entstanden: Im unteren Teil sind Schlafzimmer und Bad untergebracht, das Dachgeschoss mit offenem Grundriss für Kochen, Wohnen und Essen sowie einer südwestlich ausgerichteten Loggia bietet Wohnambiente mit Loftcharakter. Als Maisonettewohnung ist auch die dritte, nach Südwest/Nord-west orientierte Einheit mit 90,5 m2 Wohnfläche konzipiert.  Im Erdgeschoss befinden sich der Wohn-Essbereich mit Zugang zum Garten sowie die Küche und das Gäste-WC, genau darüber das Elternschlafzimmer, ein Kinderzimmer und das Bad. Diese Wohnung verfügt über einen direkt zugänglichen eigenen Keller.
Die vierte Wohneinheit besitzt einen klassischen Reihenhausgrundriss und wurde extra so geplant, dass sie auch separat verkauft werden könnte. Sie bietet Platz für eine Familie mit bis zu drei Kindern: Im Erdgeschoss mit Küche, Wohn-Essbereich und Gäste-WC, im 1. OG mit zwei Kinderzimmern und Bad, im Dachgeschoss mit Elternschlafzimmer und einem dritten Kinderzimmer – insgesamt 135 m2 Wohnfläche zuzüglich Keller. Die Innenwände sind mit Gipsputz, die Bäder mit Zementputz versehen und gestrichen.

Grundrisse

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ErdgeschossDachgeschoss

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