Planen mit dem Architekten
Hightech - oder Biohaus?
Das mit so namhaften Partnern wie Microsoft, BMW, Schörggruber und der Fördergesellschaft Landespflege Bayern realisierte „Haus der Gegenwart“
Foto: Allmann Sattler Wappner Architekten
Soll der Forschung über zeitgerechtes Wohnen, der Bildung der Allgemeinheit und der Kultur des Wohnens dienen
Foto: Allmann Sattler Wappner Architekten
Das Licht geht automatisch an, unsere Lieblings-musik überträgt sich aus dem Wohnzimmer direkt in unserem Auto, und die Waschmaschine lässt sich von der Arbeit aus bedienen.
Dieses vollautomatische Haus ist keine Zukunftsvision, sondern bereits Münchner Realität. Am 28. Januar wurde es als „das Haus der Gegenwart“ eingeweiht. Das Haus – in dem man auch vom Auto aus per Fernsteuerung mit den Jalousien des Hauses spielen kann – besticht vor allem mit neuem Elektronik-Schnickschnack.
Doch wie stellt sich ein Haus den tatsächlichen Herausforderungen der Gegenwart: Globaler Klimawandel, Energieverknappung, Massenarbeitslosigkeit, Ökologie und Nachhaltigkeit sind das Maß aller Dinge bei der Entwicklung des „Bio-Hauses der Gegenwart“. Anders als beim wirklichen Hausbau beginnt der Bau mit dem Dach, nicht mit dem Ausheben des Kellers. Das ideale Bio-Hausdach sollte eine Kombination aus Energieerzeugungsfläche und artenreichen Spielplatz und Lebensraum für Vögel und Insekten sein. Das Dach ist begrünt und mit Solarkollektoren für die Warmwasseraufbereitung ausgestattet. Ein besonderer Ablauf an der Dachrinne führt das durch das Erdreich auf dem Dach vorgefilterte, fast reine Regenwasser nicht in den Gully, sondern in den Brauchwasserspeicher.
Stroh vom Acker
Das Dach ist natürlich ausgebaut und mit heimischem Fichtenholz verkleidet. Das bei der Getreideernte quasi als Abfallstoff anfallende Stroh, wird – dicht gepresst – in Kombination mit Lehm als Dämmmaterial eingesetzt. Alle drei eingesetzten Naturbaustoffe kommen überdies aus der näheren Umgebung und sind mit geringstem Energieaufwand herzustellen und zu verwenden. Einen chemischen Schutz vor Nässe und Schadinsekten braucht es dank der Kombination aus intelligenter und traditioneller Bauweise auch nicht.
Kachelofen und
Blockheizkraftwerk
Ein Kachelofen dient in der Küche als Herd und Backofen und heizt die anderen Zimmer gleich mit. Überschüssige Heizenergie des Ofens gelangt in Form von heißem Wasser in das zweite Heizsystem, einer zentralen Warmwasserversorgung, die ansonsten mit der Energie aus den thermischen Solarkollektoren sowie aus einem kleinen Blockkraftheizwerk gespeist wird. Auf die üblichen Heizkörper in den Wohnräumen wurde verzichtet, stattdessen liegen Heizschlangen in den Wänden.
![]() | Im Gegensatz zum Hightech-Haus oben wurde für nebenstehendes Biohaus z.B. ein gebrauchter Kachelofen aus einem alten polnischen Haus ausgebaut, gereinigt und wiederverwertet. So wurde Alt und Neu verbunden. |
Trockentoilette als
Energielieferant
Das im Keller stehende Blockheizkraftwerk sorgt für den Strom im Haus und für ein garnicht so geringes Zusatzeinkommen. Es wird mit hauseigenem Biogas betrieben, das wir selbst erzeugen.
Zwei Trockentoiletten liefern den Rohstoff für die Biogas-Anlage im Kellerbereich. Zusätzlich wird der Methangas erzeugende „Bioreaktor“ mit Bio-Abfällen aus Haushalt und Garten befüllt. Trockentoiletten haben nichts mit „Plumpsklos“ zu tun. Sie stinken auch nicht und sind im Grunde hygienischer als Wassertoiletten, was daran liegt, dass sie mit Hilfe von Kompost funktionieren. Und dieser Kompost – Sie ahnen es bereits – wird selbst produziert. Es sind nämlich die festen Reststoffe aus dem „Bioreaktor“. Kreislaufwirtschaft nennt man das heute. Steigende Preise für Heizöl, Erdgas oder Strom interessieren so nicht mehr. Lediglich etwas gut abgelagertes Holz für den Kachelofen braucht das Haus als Energiezufuhr von außerhalb.
Alle Fenster und Türen sind aus Holz, für alle notwendigen Anstriche im Innen- und Außenbereich wurden nur biologische Produkte verwendet. Ein im Süden vorgebauter Wintergarten wirkt sich günstig für die Energiebilanz des Hauses und zum anderen positiv auf die Psyche seiner Bewohner aus.
Mobilfunkstrahlung
hat keine Chance
Durch das begrünte Dach ist das Haus rund herum vor jeglicher Strahlung geschützt.
Denn gerade das in den Pflanzen und im Erdreich enthaltene Wasser schirmt das Haus von den umstrittenen und möglicherweise gesundheitsschädlichen Strahlen ab.





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