Exxpose Interview:
10 Fragen an den Architekten

Das Berufsbild des Architekten, welcher seine Funktion im Entwurf sieht, ist überholt. Die Marktanforderungen verlangen umfassende Bauherrenbetreuung. EXXPOSE interviewte den Architekten Franz-Josef Marks zu diesem Thema.
Exxpose:
Viele Menschen bringen Architektur und Architekten mit den publizierten architektonischen Trends in Verbindung und schrecken daher vor einer Zusammenarbeit mit einem Architekten zurück. Wie sieht die Realität eines „normalen“ Architekten wirklich aus?
F.-J. Marks:
Ja das kann ich gut nachvollziehen. In der Berichterstattung werden oft die außergewöhnlichen und spektakulären Projekte vorgestellt.
Meistens geht dann auch noch das Problem mit den Kostenüberschreitungen dieser Projekte einher. Da müssen viele Bauherrn natürlich ein falsches Bild von den Architekten bekommen. Das ist aber ja nicht die Regel. Ein „normaler Architekt“ sollte in erster Linie Fürsprecher des Bauherrn sein. Es kommt nur äußerst selten vor, dass ein Bauherr seinem Architekten völlig freie Hand lässt. Ganz im Gegenteil: In aller Regel möchte der Bauherr seine Wünsche und Vorstellungen umgesetzt haben und nicht etwas vorgegeben bekommen, mit dem er sich nicht identifizieren kann.
Exxpose:
Vor dem Hintergrund vielfacher Existenzprobleme einiger Architekten, die vom allgemeinen Strukturwandel, aber auch von der anhaltend schlechten Baukonjunktur bisweilen stark getroffen wurde, stellt sich die Frage: Hat der Bauherr den Sinn und Zweck des Bauens mit Architekt in Frage gestellt, oder hat er nur die Kostenbremse gezogen?
F.-J. Marks:
Ich denke, dass die Leistung des Architekten nicht generell in Frage gestellt wird, sondern dass viele Bauherren heutzutage gerade aus Kostengründen glauben, die Leistungen eines Architekten einsparen zu können. Bei den meisten Hausanbietern, die es ja mittlereile gibt, drängt sich dem Bauherren diese Vermutung sehr schnell auf. Hier werden in der Regel die Leistungen des Architekten im Paket pauschal mit angeboten und nicht detailliert ausgewiesen.
Exxpose:
Allgemein hört man immer wieder die landläufige Meinung, die meisten Architekten wollten immer nur ihre ästhetischen Grundprinzipien verwirklicht sehen und das oft auf Kosten des Bauherren. Kann man das so sehen?
F.-J. Marks:
Es ist wie bei allem im Leben so, dass jede Medaille zwei Seiten hat. Als Architekturstudent habe ich auch von solchen paradiesischen Zuständen geträumt. Sicher gibt es in aller Regel dann bekanntere Architekten, die einen gewissen Stil pflegen und davon nicht unbedingt abweichen möchten. Man könnte es mit einem Automobilhersteller vergleichen, der seine Produkte auch so kreiert, dass der Wiedererkennungswert zur Marke möglichst hoch ist. In solchen Fällen weiß der Bauherr dann aber auch, dass er für diesen „besonderen Stil“ und seine Wünsche etwas mehr Geld in die Hand nehmen muss. Doch das ist bei den meisten Architekten schon lange nicht mehr der Fall.
Exxpose:
In wiefern haben Architekten sich den aktuellen Fragen des umweltschonenden und energiebewussten Bauens gestellt und welche Lösungen bieten sie an?
F.-J. Marks:
Ich denke schon, dass sich fast alle Architekten mit dieser Thematik sehr intensiv beschäftigen, um auf diese Dinge aktuell reagieren zu können. Allerdings muss man auch sagen, dass gerade im Bereich des umweltbewussten und energie-effizienten Bauens sich sehr viel tut. Die Anbieter in diesen Bereichen bringen fast wöchentlich Neuerungen und erstaunliche Produkte auf den Markt. Hier sollte zwischen dem Bauherrn und dem Architekten eine sehr enge Absprache stattfinden. Lösungen müssen hier gemeinschaftlich er-arbeitet werden, eine aufgezwungene Lösung wird oft keinen Erfolg bringen. Als kleines Beispiel dafür sei vielleicht aufgezeigt: Ein Bauherr der es gewohnt ist ausgiebig und oft zu lüften, gern mit offenem Fenster schläft und auch sonst gern ein „offenes“ Haus, hat ist mit einer kontrollierten Be- und Entlüftungsanlage eher nicht glücklich. Die Lösungen müssen sich an den Bedürfnissen und dem Wohnverhalten der Hausbewohner orientieren.
Exxpose:
Der Architekt ist ein Generalist, der gestalterische, planerische und wirtschaftliche Erfahrungen haben sollte und für alle drei Aspekte Verantwortung trägt. Trifft dies in der Praxis zu?
F.-J. Marks:
Ja das sollte so sein. Auch hier gilt, dass ein Architekt nicht alles zu 100 %
erbringen kann. Die landläufige Meinung ist ja auch, dass ein guter Planer und Gestalter oft nicht der Wirtschaftliche ist und umgekehrt. Ein guter Architekt weiß das und wenn er offen und ehrlich mit seinen Bauherrn umgeht ist das meistens kein Problem. Gerade für den technischen Ausbau gibt es ja mittlerweile gute Fachplaner und -berater, derer sich der Architekt und gleichermaßen der Bauherr bedienen kann.
Exxpose:
Wirtschaftlichkeit wird, wie Sie bereits feststellen, oft nicht mit Architekten assoziiert, dabei ist Wirtschaftlichkeit eng verwoben mit der Gestaltung. Welche
Aspekte kann hier ein Architekt einbringen?
F.-J. Marks:
Es ist richtig, dass gerade mit der Gestaltung eines Gebäudes auch viel für die Wirtschaftlichkeit getan werden kann. Diese Wirtschaftlichkeit beschränkt sich mittlerweile jedoch nicht nur auf die Herstellungskosten, sondern vor allem auch auf die Folgekosten. Besonders, was die Instandhaltung und den Betrieb eines Gebäudes betrifft. Hier gilt es ein vernünftiges Mittelmaß zwischen Investition und Amortisation zu finden. Dies wird für die Zukunft wohl ein ganz entscheidender Gesichtspunkt werden, den der Architekt berücksichtigen muss. Das gilt meiner Meinung gleichermaßen sowohl für den Industrie- und Gewerbebau, wie auch den Büro- und Wohnungsbau bis hin zu den Einfamilienhäusern.
Exxpose:
Eine Baugenehmigung wird oft als „Unbedenklichkeitsbescheinigung" betrachtet, die doch ein mündiger Bürger eigentlich nicht brauche.Vor allem hinsichtlich des § 34 BauGB, (Zulässigkeit von Vorhaben innerhalb der im Zusammenhang bebauten Ortsteile) wird diese relativ weitgehende Freistellung vielfach falsch verstanden. Welche Gefahren drohen, wenn ein Bauherr ohne Rücksprache mit einem Baufachmann einfach „drauflos“ baut?
F.-J. Marks:
Von Ordnungsstrafe oder Baueinstellung bis hin zur Abrissverfügung kann da so einiges auf den Bauherrn zukommen. Die Baurechtsbehörden sind hier oft sehr streng, so dass es dem Bauherrn viele Sorgen bereiten und teures Geld kosten kann. Gerade bei Bauvorhaben ohne Bebauungsplan, diesem sogenannten § 34, sollte der Bauherr auf jeden Fall einen Architekten zu Rate ziehen, und mit den örtlichen Bauämtern und den Genehmigungsbehörden sprechen, um sich vor unangenehmen Überraschungen zu schützen. Hier werden sehr häufig örtliche und allgemein gültige Bauvorschriften vermischt. Das gilt für die Ortsgestaltung oder was Grenzregelungen (sogenannte Hammerschlagsrechte) und Brandschutz- vorschriften anbelangt. Hier sind oft viele Gebote und Vorschriften zu beachten, an die der „Laie“ in aller Regel so gar nichtdenkt. Bauen ohne Bebauungsplan heißt eben nicht, dass man bauen kann wie man will – ganz im Gegenteil.
Exxpose:
Wie bekomme ich das Haus, das meinen Vorstellungen entspricht?
F.-J. Marks:
Hier sind zunächst mehrere Aspekte zu berücksichtigen. Die wichtigen 3 sind:
A) meine persönlichen Wohnwünsche,
B) das Grundstück, Lage, Größe und Bauvorschriften und
C) der Kapitaleinsatz.
Es ist natürlich wichtig, diese drei Komponenten von Anfang an immer im Miteinander zu sehen. So kann einem Bauwilligen zum Beispiel passieren, dass das wunderschöne, altersgerecht zugeschnittene Bungalowhaus auf dem Grundstück, welches er sich ausgesucht hat, nicht in der Form gebaut werden kann, weil es das Baurecht so nicht zulässt.
Exxpose:
Kann ich kostengünstig mit Architekten bauen?
F.-J. Marks:
Ja natürlich. Wichtig ist es, von Anfang an die Bauleistungen so konkret wie möglich zu definieren. Viele Fertighaus- oder Schlüsselfertigbauanbieter machen das schon lange so vor. Sie geben dem Kunden eine Bau- und Leistungsbeschreibung in die Hand, nach der sie Ihre Leistungen berechnen. Auch hier ist die Erfahrung, je genauer die Leistungen beschrieben sind, desto sicherer ist der Umgang der Baupartner miteinander. Warum sollte das in der Zusammenarbeit mit den Architekten anders sein. Je genauer er weiß was der Kunde wünscht, desto konkreter wird die Kostenberechnung sein können.
Exxpose:
Wie finde ich den richtigen Architekten?
F.-J. Marks:
In erster Linie über die Architektenkammern, hier sind freie und angestellte Architekten gelistet. Da Architekten nicht wie Bauträger oder Schlüsselfertigbaufirmen werben dürfen, aus dem Telefonbuch, den Gelben Seiten, auf Empfehlungen von Bekannten und Freunden.
Exxpose:
Herr Marks, wir bedanken uns für Ihre Aufgeschlossenheit und das ehrliche Interview.
Unser Gesprächspartner:
Architekt Franz-Josef Marks
Ziegelfeld 64,
74182 Obersulm–Weiler
architekt-marks@t-online.de





Fragen, Wünsche, Anregungen? Schreiben Sie einen Kommentar!
blog comments powered by Disqus