Erde und Sonne: Energiekonzept fürs Haus

Artikel vom 26. Mai 2008
Solarthermie-Kollektoren als Indachlösung.Solarthermie-Kollektoren als Indachlösung. | Foto: Schüco

Ob Niedrigenergiehaus, Nullenergiehaus, Passivhaus oder gar Plusenergiehaus – all diese Konzepte zum Energie sparenden und gewinnenden Wohnen setzen...

eine koordinierte Planung voraus. Auffallend ist: Viele der energetischen Einflussfaktoren haben mit der Gebäudehülle zu tun. So entscheiden Dämmung sowie Größe, Anzahl und Qualität der Fensterflächen ganz maßgeblich über den Energieverbrauch, indem sie bestimmen, wie viel Wärme im Gebäude gehalten wird. Gleichzeitig sind die Lichtöffnungen in der Fassade ein ganz wesentliches Kriterium für die Wohnqualität, denn niemand möchte auf die Vorzüge des transparenten Wohnens mit hohem Tageslichteinfall verzichten.

Verlustfläche Fenster?

Bekanntlich lassen sich Einsparungen durch die Kombination aus unterschiedlichen Maßnahmen erzielen, wobei der Bauherr seinen konzeptionellen Schwerpunkt weitgehend selbst bestimmen kann. Die Qualität der Dämmung, Art und Umfang der Fensterflächen sowie die Konfiguration der Heizungsanlage fließen in rechnerische Betrachtungen ein, an deren Ende ein realistischer Energieverbrauchswert steht. Im Falle des Neubaus der Familie Köln strebten die Planungen bei der Gebäudehülle einen Dämmwert der Wandflächen an, der 30 Prozent besser gegenüber den Anforderungen der Energieeinsparverordnung liegt. Um dieses Ziel zu erreichen, bedarf es im Vorfeld einer Verhältnisberechnung von Fenster- und Wandflächen. Diese Berechnung bezieht die Fassaden aller Himmelsrichtungen ein und berücksichtigt nicht nur Energieverluste, sondern auch die vor allem auf der Südseite zu erzielenden Energiegewinne durch die Solaranlage. Moderne Fenster spielen bei dieser Betrachtung längst die Rolle von Energie-Einsparflächen. Trotz rundum großflächiger Fenster und Fenstertüren mit wärmedämmbeschichtetem Isolierglas konnte in Verbindung mit einem konventionellen, 14 cm dicken Wärmedämm-Verbundsystem der angestrebte Dämmwert der Gebäudehülle mühelos hier erreicht werden.

Kontrollierte Lüftung

Um ein fortlaufend frisches Raumklima zu gewährleisten übernimmt eine zentrale Lüftungsanlage mit Wärmetauscher den Luftaustausch. Die Anlage versorgt alle Nutzungsbereiche über die Geschossdecke geräuschfrei mit Frischluft. Beispielsweise in der Küche wird die Abluft derart effizient abgeführt, dass im offen angrenzenden Wohnzimmer beim Kochen keinerlei Geruchsverbreitung stattfindet.   

Heizen mit Erde und Sonne

Ein wichtiger Baustein des Energiekonzeptes war die Heizungsanlage.
Im Rahmen der Energiebedarfsberechnungen wird die Qualität der Heizenergiegewinnung durch die so genannte „Anlagenaufwandszahl“ erfasst. Diese Zahl fällt in Verbindung mit der gewählten Kombination einer 5 kW Sole/ Wasser-Wärmepumpe, unterstützt durch 10,8 qm Kollektorflächen für die Solarwärme, sehr günstig aus und führte im Falle der Kölns zu einem deutlichen Fördervorteil. Nicht zuletzt weisen auch neutrale Beratungs-
initiativen wie z. B. das Portal co2online.de die Kombination Wärmepumpe/Solarthermie als die derzeit wirtschaftlich vorteilhafteste Anlagenkonfiguration aus.

Besonderheiten/Vorteile

Die Erdsonde für die Sole/Wasser-Wärmepumpe der Kölns wurde von einem darauf spezialisierten Unternehmen ausgelegt und eingebracht. Bei guten geologischen Verhältnissen vor Ort war eine 80 Meter tiefe Bohrung für die Erdsonde erforderlich, die mit rund 4.500 Euro zu Buche schlug. Die Aussicht auf die hohe Effizienz der Anlage und dauerhaft vergünstigten Strom zum Betrieb der kleinen Pumpe ließ diese Sonderinvestition mühelos verschmerzen. Zudem muss man diese Kosten auch mit dem Wegfall
des Abgassystems und des Gasanschlusses verrechnen, denn bei dieser Form der Heizenergie-Gewinnung kann vollständig auf den Kamin sowie den Gasanschluss verzichtet werden. Als echter Komfortvorteil stellte sich bereits im ersten Sommer die Möglichkeit der passiven Kühlung heraus. Die Wärmepumpe ermöglicht es nämlich, in den wärmeren Jahreszeiten aus dem Heiz- in den Kühlmodus zu schalten und damit Raumtemperaturen zu erreichen, die ca. 6° C unter den Umgebungstemperaturen liegen. Der eindeutige Erfolg der ganzheitlichen Energieplanung lässt sich eineinhalb Jahre nach dem Einzug und unter Berücksichtigung aller Jahreszeiten am besten anhand der Kosten für Heizung, Warmwasser und Kühlung dokumentieren. Sie liegen mit durchschnittlich 30 Euro im Monat für ein Haus mit 140 m2 Wohnfläche plus 60 m2 Nutzfläche im Keller bei einem Wert, der nicht wenige Hausbesitzer träumen lässt. Info: www.schueco.de

Grafik: Schüco

Komponenten und schematischer Aufbau einer Anlage mit kombinierter Sole/Wasser-
Wärmepumpe, solarthermischer Heizungsunterstützung & Soletemperaturanhebung.
1. Kollektorfeld, 2. Solarregler,3. Solarstation, 4. Kombispeicher, 5/6. Hydraulik-
baugruppen, 7. Sole/Wasser-Wärmepumpe HPSol, 8. Erdsonden

Foto: Architekturbüro Matthias Busch

Bauherrin Edith Köln (links) mit Architektin Christina Metzner
(Architekturbüro Matthias Busch)

 

Foto: Schüco

 

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