Festbrennstoffe: CO2-Einsparpotential
durch Holzheizung

Artikel vom 11. November 2009
Experten-Interview zum Thema "Pelletheizung" | Foto: Initiative Holz+Pellets, KölnExperten-Interview zum Thema "Pelletheizung" | Foto: Initiative Holz+Pellets, Köln

Experten-Interview zum Thema „Pelletsheizung“ mit Martin Bentele, Mitglied der Initiative Holz und Pellets.

Exxpose:
Wie stabil sehen Sie den Pelletspreis für die Zukunft, nachdem dieser in jüngster Zeit wieder etwas angezogen hat? Muss sich der Verbraucher Sorge machen, dass es hier mittelfristig zu weiteren Preissprüngen kommt?    

Martin Bentele:
Grundsätzlich sind Bewegungen zwischen Winter- und Sommerpreisen üblich und bilden sich im jährlichen Index ab. Wegen des saisonalen Preisverlaufs empfehlen wir, sich am besten bereits im Frühsommer mit dem Jahres­bedarf an Pellets einzudecken, was mittlerweile von der Mehrzahl der Verbraucher auch so gehandhabt wird. Im übrigen verdeutlicht die­se Entwicklung immer wieder auch die Unabhängigkeit der Pellets von der Preisentwicklung fossiler Energien. Für den Verbraucher bedeutet das: Pellets stehen weiterhin für eine kalkulierbare Preisbildung. Die Pelletpreise haben in den vergangenen zehn Jahren  eine Teuerungsrate von unter fünf Prozent aufgewiesen. Es sprechen alle Faktoren dafür, dass die Steigerung auch künftig unterhalb dem von fossilen Ener­gien liegt. Bei einem relativ niedrigen Ölpreis wie im Herbst 2009 sind Pellets rd. 25 Prozent günstiger. 
 
Exxpose:
Wie steht es um die Versorgungssicherheit bzw. die Verfügbarkeit bei Pellets? Kann der Verbraucher sicher sein, dass es auch bei einem harten Winter und steigender Nachfrage keine Versorgungsengpässe mit Pellets geben wird?
  
Martin Bentele:
Die Produktionskapazität der Pelletsbranche hat sich allein in den letzten zwei Jahren mehr als vervierfacht. Wir sprechen heute von über 2,5 Millionen Tonnen, die bundesweit pro Jahr produziert werden könnten, vor allem auf der Basis von Sägespänen und Hackschnitzeln, die bei der Schnittholzproduktion in den Sägewerken anfallen. Die rückläufige Produk­tion in konkurrierenden Branchen, wie z.B. bei der Holzwerkstoff­industrie, haben mittlerweile auch die für die Pelletproduktion mög­lichen Rohholzsortimente deutlich an­wachsen lassen. Das Potenzial für eine Ausweitung der Pellet­heizungen ist also vorhanden.     
Damit dies weiter zunimmt, wird von der Pelletbranche gegenwärtig die Rohstoffbasis verbreitert, z.B. über die Anlage von Energie­wäldern auf landwirtschaftlichen Flächen. Auf diese Weise gibt es auch in Zukunft eine stabile Basis für eine gesicherte Versorgung mit Holzpellets, selbst bei einer deut­lichen Erhöhung der Nachfrage nach Pelletheizungen.

Exxpose:
Manche Verbraucher fragen sich, ob nicht der deutsche Wald die Rechnung für die Versorgungs­sicherheit mit Pellets zahlen muss? Droht ein Ausverkauf des deutschen Waldes?  

Martin Bentele:
Als Diplom-Forstwirt kann ich den besorgten Verbraucher beruhigen. In Mitteleuropa ist der deutsche Wald der am schnellst Wachsende und verfügt  mit über 3,4 Kubikmetern über die größten Holz­reserven. Holz ist eigentlich der
heimische Rohstoff, von dem wir am meisten haben, Zudem wirkt alleine schon die gesetzlich verankerte nachhaltige Nutzung in den deutschen Wäldern als Versicherung gegen eine Übernutzung. Derzeit wäre sogar eine Erhöhung des Holzeinschlags ohne weiteres möglich, da aktuell nicht einmal der jährliche Zuwachs geerntet wird. Auch die Sägeindustrie und die holzverarbeitenden Unternehmen, wo Restholz zur Pelletproduktion anfällt, sind in Deutschland traditionell stark vertreten.

Scheitholzheizung Innenansicht | Foto: Initiative Holz + Pellets, KölnScheitholzheizung erfreut sich im
privaten Bereich einer langen Tradition. Moderne Scheitholzsysteme vereinen hohen Nutzungskomfort (Brennstoff muss nur ein bis zweimal täglich nachgelegt werden) und ökologischen Anspruch. Moderne, hocheffiziente Holzvergaserkessel
sind ab etwa 8000 Euro erhältlich.


Exxpose:
Mit welchen Investitionskosten muss ein Bauherr rechnen, wenn er sich  für einen Pelletkessel inkl. einer automatischen Brennstoffförderung entscheiden sollte? Und mit welchen Kosten muss ich bei „kleineren“ Lösungen rechnen wie beispielsweise einem mit Pellets betriebenen Zimmerofen?    

Martin Bentele:
Die Investition für eine Pelletheizung inklusive Lagerbehälter und Montage kostet den Kunden rund 15.000 Euro. Der Staat fördert die Anschaffung als vorbildliche umweltpolitische Maßnahme im Jahr 2009 mit bis zu 2.500 Euro. Je höher der Energiebedarf, desto schneller amortisiert  sich eine solche Anschaffung. Für ein durchschnittliches Einfamilienhaus noch unter zehn Jahren. Die Preise für qualitativ hochwertige, wasserführende Zimmeröfen auf Pelletbasis be­ginnen bei ca. 2.500 Euro. Auch hier gibt es einen interessanten Zuschuss in Höhe von 1.000,- Euro.

Exxpose:
Kommen wir zum Thema „Pel­let­lagerung“. Welche Formen der Pelletlagerung gibt es und wie viel Lagerraum brauchen die Pellets bei einem durchschnitt­lichen Einfamilienhaus? Und welche Pelletmenge benötigt man für eine Heizsaison?  
 
Martin Bentele:
Abhängig von Platz und Ausstattung des Hauses gibt es verschiedene Möglichkeiten: Die beste Lösung ist, auf ein vorgefertigtes Silo oder auf einen Gewebetank zurückzugreifen, die im Keller oder auch gegen Regenwasser geschützt außerhalb des Hauses aufgestellt werden können. Daneben kann man sein Pelletlager auch selbst anfertigen. Hierzu sind auf jeden Fall die professionellen Ratschläge und Hinweise zu berücksich­tigen, die der Deutsche Energieholz-Pellet-Verband (DEPV) in seiner Lagerraumbroschüre und den Sicherheitsvorschriften zur Lagerung veröffentlicht. Ein Pellet­lager umfasst durchschnittlich eine Grundfläche von vier bis fünf m2 und ist damit von der Größe her mit einem konventionellen Öltank zu vergleichen. Damit entsteht bei einer Um­rüstung kein zusätzlicher Raum­bedarf. Je nach Wärmebedarf kommt eine Familie dabei mit einem durchschnittlichen Jahres­verbrauch von vier bis sechs Tonnen Pellets absolut aus.
    
CO2 Einsparpotenzial | Foto: Initiative Holz + Pellets, Köln

Exxpose:
Immer wieder gibt es Verbraucherfragen zu einer eventuellen Feinstaubbelastung bei Pelletsheizungen. Können Sie diese Verunsicherung beim Verbraucher aufklären?

Martin Bentele:
Holzpellets sind ein genormter, trockener Energieträger, der in modernster Heizungstechnologie vollautomatisch verbrennt und daher nur sehr geringe Feinstaubemissionen hervorruft. Der überwiegende Anteil der heutigen Pelletkessel entspricht bereits strengsten Feinstaubgrenzwerten und würde auch neue gesetzliche Anforderungen, wie sie bei der Novellierung der Verordnung über kleine und mittlere Feuerungs­anlagen (1. BImSchV) anstehen, ohne zusätzliche Filter-Nach­rüstung er­füllen.

Exxpose:
Vielen Dank für das Interview.
Infos: www.holzundpellets.de und unter www.depv.de


Modernisierungsbeispiel: Pelletsheizsystem im Einfamilienhaus
Fallbeispiel: Typisches, bestehendes Einfamilienhaus (ca. 120 m2 Wohnfläche) bei nur geringer Wärmedämmung    
Maßnahmen: Austausch des alten fossil gefeuerten Heizkessels gegen Holzpelletskessel mit indirekt beheiztem Trinkwasser­speicher, Anpassung der Heizflächen, geregelte Pumpen, neue Thermostatventile, Dämmung der Verteilleitungen, hydrau­lischer Abgleich, Sanierung der Abgasleitung.

Kosten:
Systemkosten:16.000 Euro
Fördergelder: 2.500 Euro
Jährlicher Pelletsbedarf:7,1 Tonnen
Jährliche Heizkosteneinsparung nach dem Kesselaustausch*
bei einem gemittelten Pelletspreis von:
175 Euro/Tonne1.546 Euro
200 Euro/Tonne1.368 Euro
250 Euro/Tonne1.013 Euro
*Vergleichswert: 65 Cent pro Liter Heizöl bzw. m2 Erdgas
Grafik: Initiative Holz und Pellets, Köln

 

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