Vorbildliche Gebäude-Modernisierung:
Aus Verantwortung für die Zukunft

Artikel vom 15. Januar 2008
Gebäude Modernisierung Impuls-Programm Altbau

Es war eine sehr bewusste Entscheidung, die Familie Müller dazu bewog, ihr 1961 gebautes Zweifamilienhaus einer grundlegenden Modernisierung zu unterziehen.

Als Elektrofachmann und ausgebildeter Energieberater hat sich Konrad Müller zunehmend mit der Thematik der endlichen und der erneuer­baren Energien beschäftigt. Auch wenn er kein Pessimist sei, wie er betont, so sehe er doch mit einiger Besorgnis, dass wir noch immer viel zu viel Energie vergeuden und der Kohlendioxid-Ausstoß viel zu hoch sei. „Wenn ich mir vorstelle, wie es bei uns in 30 Jahren aussieht, dann habe ich schon meine Sorgen. Deshalb wollten wir mit unserer Hausrenovierung auch einen Beitrag zur Umweltent­lastung leisten, auch für die Generation unserer kleinen Enkelin.“ Dieses Haus ist ein Musterbeispiel für das Impuls-Programm Altbau, das Informationen zu der Modernisierung von Gebäuden anbietet. Für diese unabhängige Informationskampagne ist das Umweltministerium Baden-Württemberg verantwortlich, die Landesenergieagentur (KEA) in Karlsruhe setzt das Programm gemeinsam mit ihren Partnern um.

Impuls-Programm Altbau ModernisierungSchritt für Schritt energetisch saniert

Als die Familie Müller 1984 das Haus kaufte, war es äußerlich in einem guten Zustand. Allerdings war die Heizung defekt und es fehlten Garagen. So ließen die Eigentümer zunächst im Haus eine Elektroheizung installieren und zwei Garagen anbauen. Rund zehn Jahre später erfolgte der erste große Energie sparende Sanierungsschritt. Die alten Balkonplatten, die wie Kühlrippen die Wärme nach außen transportierten, wurden abgesägt. Das waren „schlimme Wärmebrücken“ meint Fachmann Konrad Müller. An der Außenwand wurden 26 cm dicke Holzbalken angebracht, auf denen der neue, ganz aus Fichtenholz konstruierte Balkon befestigt wurde. Mit der nachfolgend aufgebrachten Fassadendämmung wurden die Holzbalken mit Mineralschaum umhüllt.
Im Zuge der Balkon-Neugestaltung erhielt das Haus statt der zweifach verglasten, maroden Holzfenster neue Kunststoff-Fenster mit Wärmeschutzverglasung, die einen U-Wert von 1,1 W/m2K  aufweisen (Wärmedurchgangs­kooeffizient). Sie übertreffen damit die Anforderungen der Energieeinsparverordnung (EnEV). Gern hätten Müllers bei den Fenstern die Innenrollläden durch Aufsatzrollläden ersetzt, denn durch die Rollladenkästen im Mauerwerk geht Energie verloren. Da dies aber ein erheblicher Mehraufwand gewesen wäre, haben sie darauf verzichtet. Dies sei leider die einzige energetische Schwachstelle geblieben, bedauert Konrad Müller, doch müsse man das Gesamt­ergebnis sehen. Und das kann sich sehen lassen: Der Energiebedarf des Hauses konnte um 80 Prozent gesenkt werden und liegt jetzt bei lediglich 7.840 Kilowattstunden im Jahr. Bereits jetzt verbleiben rund 4.200 Euro pro Jahr mehr in der Haushaltskasse! Durch die umfangreiche Gebäudemodernisierung reduzierte Familie Müller den Kohlendioxid-Ausstoß um 31.100 kg pro Jahr.

Nach der Energie­diagnose richtig losgelegt

Die Ausbildung zum Energiebe­rater hat Konrad Müller mit der Energiediagnose seines eigenen Hauses abgeschlossen und dabei eng mit der Energieagentur Ra-vensburg zusammengearbeitet. Seine Energiediagnose ergab, dass rund 30 Prozent der Energie über die Außenwände und rund 50 % der Energie über das Dach ver­loren gehen. Um die Luftdichtigkeit der Gebäudehülle zuverlässig zu messen und damit energe­tischen Lecks auf die Schliche zu kommen, ließ er einen so genannten Blower-Door-Test durchführen. Dabei wird erfasst, wie groß die Luftmenge ist, die in einer Stunde durch undichte Stellen bei einem bestimmten Unter- oder Überdruck wegströmt. Auch kleinste Ritzen und Fugen können so aufgespürt werden. Dazu wurde die Wohnungstür im ersten Stock ausgehängt und die Test-Armatur in den Türrahmen luftdicht eingesetzt. Bei geschlossenen Fenstern wurde dann von dem in der Armatur befindlichen Gebläse Luft in die Zimmer geblasen und die Luftwechselrate bestimmt.
Die Werte waren so schlecht, dass Konrad Müller die Dämmung der Fassade und des Daches endgültig in Angriff nahm. Dazu wurden an der Fassade 12 cm dicke Mineralschaumplatten angebracht, so dass sich der Wärmedurchgangsko­effizient von 0,6 W/m2K auf 0,23 W/m2K verbesserte. Das Dach wurde komplett abgedeckt und mit 14 cm Steinwolle-Platten sowie 6 cm dicken Holzfaserplatten im Nut/ Feder-Prinzip gedämmt und mit einer Dampfbremse versehen. Jetzt weist das Dach einen U-Wert von 0,28 W/m2K auf und ist mit dem alten Dach mit U=3,24 W/m2K nicht mehr zu vergleichen. Die Bewohner des im Zuge der Modernisierung umgebauten Dachgeschosses freuen sich jetzt über das angenehme Innenklima an heißen wie an kalten Tagen. Impuls-Programm Altbau Modernisierung

Heizungsrohre in der Außenhülle verpackt

Vor allem unter ökologischen Gesichtspunkten beschloss Fa­milie Müller die 1993 eingebaute Elektro­- speicherheizung durch ein Heizsystem mit Niedertemperaturheizkörpern zu versehen und mit einer Luftwärmepumpe zu betreiben. „Die Wärmepumpe ist eine gute Variante, was den Ausstoß von Kohlendioxid angeht, und das war uns ein großes Anliegen. Deshalb haben wir die Heizung umge­rüstet“, so der Fachmann Müller. Bevor die Außenwände gedämmt wurden, konnten die Heizungsrohre außenseitig verlegt werden. Im Kellerbereich wurden die Außenwände bis zu 80 cm tief freigelegt und mit einer Perimeter-Dämmung versehen. Für ein gutes Raumklima sorgt in der EG- und OG-Wohnung jeweils eine Lüftungsanlage: Die Feuchtigkeit, die beim Kochen und Duschen entsteht, wird abtransportiert und frische Luft strömt nach Bedarf in die Wohnräume. Falsches Lüften gibt es so nicht mehr. Einen weiteren Vorteil nennt der Haus­eigentümer: „Gerade bei uns im ländlichen Raum kommen jetzt dank Lüftungsanlage keine Insekten mehr in die Wohnung.“   

Fördergelder genutzt

Rund 108.000 Euro kostete die Modernisierung. Familie Müller erhielt von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) zinsgünstige Darlehen, die im Rahmen des Gebäudesanierungsprogramms gewährt werden. Pro Wohnung bekam Familie Müller ein Dar­lehen von 50.000 Euro. „Wir haben die Investition nicht unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten durchgeführt, sondern weil wir überzeugt davon sind, dass jeder Bürger einen Beitrag leisten ­sollte, dass unsere Umwelt auch für künftige Generationen lebenswert bleibt.“ Durch Vorträge zum Energie sparen und intensive Beratung seiner Kunden will Konrad Müller auch weiterhin seinen Beitrag zur Ressourcen-Schonung leisten.   

Maßnamenübersicht der Energie sparenden Modernisierung

 

Wo war Handlungsbedarf?

Was wurde durchgeführt?

Wieviel Energie wurde eingespart?

DachZwischensparrendämmung
14 cm Steinwolle-Platten
+ 6 cm Holzfaserdämmplatte
Ca. 13.500 kWh
AußenwandAußendämmung 12 cm Mineralschaumplatte + ArmierungsgewebeCa. 7.500 kWh
HeizungsanlageLuftwärmepumpe mit Niedertemperatur-
Heizkörpern
+ Fotovoltaik
Energiebedarf
alt:     18.000 kWh
neu:  ca. 9.000 kWh

Der Energiebedarf reduzierte sich von 39.327 kWh/Jahr auf 7840 kWh/Jahr.
Der Kohlendioxid-Ausstoß sank um 31.102 kg pro Jahr.
Die Fotovoltaikanlage produziert ca. 2.800 kWh/Jahr (Zugewinn).

 

 

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